Kinderreiche bleiben Randerscheinung
Wie steht es um die Familien in Nordrhein-Westfalen – und wie werden ihre Anliegen in der Politik verankert? Diese Frage prägte das Halbjahresgespräch im Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration am 20. November. Das Treffen bot Gelegenheit, die Lebensrealitäten der Familien im Land sichtbarer zu machen und strukturelle Entwicklungen einzuordnen.
Die geplante Anhebung der Landesmittel auf das Niveau von 2024 sorgte für Erleichterung. Sie schafft für viele Organisationen die Grundlage für verlässliche Arbeit und stärkt das Ehrenamt, das in nahezu allen Familienverbänden trägt.
Im weiteren Verlauf zeigte sich ein wiederkehrendes Muster. In den Austauschformaten wurden Alleinerziehende und Regenbogenfamilien klar erkennbar als eigene Gruppen adressiert. Kinderreiche Familien hingegen erscheinen häufig nur als Randaspekt, obwohl sie zahlenmäßig ebenso relevant sind und spezifische Herausforderungen bewältigen. Die strukturelle Unsichtbarkeit bleibt ein zentraler Befund.
Der Wohnraum bleibt dabei ein prägendes Beispiel. Familien mit drei, vier oder mehr Kindern finden kaum bezahlbare und ausreichend große Wohnungen. Die Folgen sind unmittelbar spürbar: begrenzter Platz, organisatorische Enge, steigende Belastungen im Alltag. Eine wirksame Armutsprävention setzt voraus, diese Realitäten systematisch mitzudenken.
Die Berichte aus den Regionen verdeutlichten den Druck: steigende Kosten, Betreuungsengpässe, lange Wege im ländlichen Raum, Unsicherheiten bei der Alltagsplanung. Zugleich wurde die Bedeutung familiärer Netzwerke hervorgehoben, insbesondere der Großeltern. Diese strukturelle Unterstützung kennen wir auch. Gerade deshalb betonen wir immer wieder, dass sich in Großfamilien im Kleinen zeigt, was im Großen gesellschaftlich trägt: Verantwortungsgefühl, Stabilität, Zusammenhalt.
Der Abschluss zeigte deutlich, wie viel Arbeit bleibt. Die Themen der Verbände wurden gehört, doch die besondere Lebenswirklichkeit kinderreicher Familien tritt weiterhin zu selten in den Vordergrund. Für uns ist klar: Solange Mehrkindfamilien in politischen Strukturen nur am Rand erscheinen, fehlt ein wesentlicher Teil der Realität. Diese Perspektive braucht mehr Raum – als eigenständige, relevante Größe im Land Nordrhein-Westfalen.