Schwimmen und planschen - aber bitte sicher!
Das Westfalenbad in Hagen hat - als Reaktion auf zwei tödliche Beadunfälle in den vergangenen Jahren - sein Sicherheitskonzept überarbeitet. Mit dazu gehört nun eine Zutrittsregelung, die einen Betreuungsschlüssel von 1:2 bei nicht sicher schwimmenden Kindern erfordert.
Bei allem Verständnis für notwendige Restriktionen appellieren wir als Verband an die Verantwortlichen, bei Neuregelungen die Lebensrealität kinderreicher Familien mitzuberücksichtigen.
Badeunfälle machen in besonders schmerzlicher Weise deutlich, wie verletzlich Kinder im Wasser sind und wie wichtig verlässliche, gut durchdachte Sicherheitskonzepte in Schwimmbädern bleiben. Dass auf tragische Vorfälle mit strengeren Regelungen reagiert wird, ist vollkommen nachvollziehbar. Maßnahmen, die Kinder besser schützen begrüßen wir immer und sind gerade hier notwendig. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Rückmeldungen von Eltern mit mehreren Kindern, dass die neuen Zutrittsregeln in der praktischen Umsetzung zu erheblichen Schwierigkeiten führen können – insbesondere für Familien mit mehreren jüngeren Kindern und unterschiedlichen Schwimmkenntnissen. Für diese Familien wird ein gemeinsamer Schwimmbadbesuch praktisch unmöglich.
Wenn eine erwachsene Begleitperson künftig nur noch zwei Kinder unter zehn Jahren begleiten darf, wird der Schwimmbadbesuch für viele Familien kaum noch umsetzbar. Eltern mit drei oder mehr jüngeren Kindern können das Bad nicht mehr allein besuchen, selbst dann nicht, wenn sie sich ausschließlich im Nichtschwimmerbereich aufhalten und ihre Kinder eng begleiten. Schwimmbäder sind jedoch für viele Familien ein zentraler Ort, an dem Kinder Wassererfahrung sammeln, Sicherheit gewinnen und das Schwimmen erlernen. Wird der Zugang stark eingeschränkt, kann dies unbeabsichtigt dazu führen, dass Kinder seltener ins Wasser kommen – und damit langfristig weniger Sicherheit entsteht.
Aus Sicht des KRF NRW e. V. braucht es deshalb Lösungen, die den Sicherheitsgedanken stärken und gleichzeitig die Betreuungssituation von Familien realistisch berücksichtigen. Ein ausgewogenes Konzept kann gelingen, wenn Regelungen differenziert ausgestaltet werden und mehrere Bausteine miteinander kombiniert werden.
Denkbar wäre eine sichtbare Kennzeichnung der Schwimmfähigkeit eingeführt werden. Armbänder, Badekappen oder vergleichbare Systeme würden es ermöglichen, Kinder mit Bronze-Abzeichen oder nachgewiesener Schwimmfähigkeit schnell zu erkennen. Schwimmfähige Kinder könnten sich selbstständiger in definierten Bereichen bewegen, während Nichtschwimmer gezielt im besonders gesicherten Bereich bleiben. Dies würde sowohl die Übersicht für das Personal verbessern als auch Familien mit unterschiedlich schwimmfähigen Kindern entgegenkommen.
Sinnvoll erscheint auch eine familienbezogene Regelung statt einer starren Begrenzung nach Kopfzahl. Eltern beaufsichtigen ihre eigenen Kinder in der Regel eng und kontinuierlich, außerdem können sie ihre Kinder sehr viel besser einschätzen, als das bei anderen Aufsichtspersonen der Fall wäre. Eine Lösung, bei der Eltern ihre Kinder gemeinsam begleiten dürfen – insbesondere im Nichtschwimmerbereich –, würde der Lebensrealität vieler Familien besser entsprechen und gleichzeitig den Sicherheitsgedanken wahren.
Auch kurze Schwimmfähigkeits-Checks vor Ort könnten eine ergänzende Möglichkeit sein. Kinder könnten zu festen Zeiten ihre Fähigkeiten zeigen und anschließend eine Tagesfreigabe für bestimmte Bereiche erhalten. Das schafft zusätzliche Sicherheit und erhöht zugleich die Flexibilität für Familien.
Darüber hinaus können klar abgegrenzte Familien- oder Nichtschwimmerzonen helfen, die Aufsicht zu erleichtern. Flache, übersichtliche Bereiche ermöglichen es Eltern, mehrere Kinder gleichzeitig im Blick zu behalten. In solchen Zonen könnten angepasste Aufsichtsregelungen gelten, ohne das Gesamtsicherheitskonzept zu schwächen. Wo das aus baulichen Gründen nicht möglich ist bzw. ergänzend, könnten ausgewiesene "Familienzeiten" Zeitfenster eröffnen, in denen gezielt Kinder, die noch nicht sicher schwimmen, begleitet und gefördert werden können, ohne dass zu viel Betrieb herrscht.
Neben strukturellen Maßnahmen bleibt Aufklärung ein wichtiger Baustein. Rückmeldungen zeigen, dass Ablenkung am Beckenrand – etwa durch Smartphones – ein reales Risiko darstellt. Sensibilisierung für aktive Aufsicht, Hinweise zur Begleitung im Wasser und verständliche Informationsangebote können hier zusätzlich zur Sicherheit beitragen.
Langfristig entscheidend ist zudem der Ausbau niedrigschwelliger Schwimmangebote. Intensivkurse, Ferienformate, Angebote für Geschwisterkinder sowie Kooperationen mit Schulen und Familienorganisationen können dazu beitragen, dass mehr Kinder frühzeitig schwimmen lernen. Schwimmfähigkeit bleibt der wirksamste Schutz vor Badeunfällen.